Saturday, December 30, 2017

Kynologische Tagung in Leonberg 2017

Also, das wird jetzt mal wieder ein Menschenartikel vom Besuch der kynologischen Tagung in Leonberg. Die findet jedes Jahr im November statt und es gibt immer sehr interessante Redner aus dem Veterinärbereich die die neuesten Erkenntnisse an die Besucher weitergeben, vorwiegend Züchter und Zuchtwarte. Claudia hat sich überlegt, mich mitzunehmen aber nachdem es voraussichtlich den ganzen Tag regnen würde, haben wir beschlossen, dass wir morgens einen schönen langen gemeinsamen Spaziergang machen und dass ich dann lieber daheim bleibe anstatt mich nach gelegentlichen Spaziergängen dort total durchnässt in die Stadthalle zu legen. War auch eine gute Entscheidung, es ging dieses Jahr auch schon fast wie auf einer Hundeausstellung zu, die Besucher hatten zum Teil drei oder vier Hunde dabei, es gab auch so ziemlich alles von Dackeln über Cavalier King Charles Spaniel, weiße Schäferhunde, Malamute, Berner Sennenhunde, einen Lagotto Romagnolo, Labrador und Leonberger war alles geboten. Schnauzer haben wir keine gesehen, aber das lag vielleicht an der Tatsache, dass im März bereits die Tagung der Landesgruppe stattgefunden hatte und die Züchter und Zuchtwarte bereits ihre Teilnahmebescheinigung für dieses Jahr bekommen hatten. Es ist nämlich so, dass Züchter mindestens alle zwei Jahre und Zuchtwarte mindestens einmal im Jahr an einer Weiterbildung teilnehmen müssen, unsere Menschen gehen aber gerne öfters, wenn es etwas Interessantes gibt, auch der Austausch mit anderen Züchtern ist immer wieder interessant. Die Tagung wird auch gerne von Menschen aus ganz Deutschland besucht und auch einige Teilnehmer aus der Schweiz waren präsent. Wir waren dieses Jahr bereits auf der Sonderleiterschulung, dann auf dem Seminar zum Thema Fellfarben und jetzt hatten wir die Möglichkeiten zwei interessanten Referenten zuzuhören. Dr. Pasquale Piturru und Dr. Diana Henke
Dr. Piturru ist Fachtierarzt für Kleintiere, Fachtierarzt für Verhaltenskunde und
Fachtierarzt für Tierschutzkundeund hat uns bei diesem Vortrag erst die neuronalen Zusammenhänge und Grundlagen erläutert und ist dann auf einige Fallbeispiele eingegangen. Er hat mehrere Bücher geschrieben, unter anderem "Lassie, Rex und Co. klären auf". Eine kurze Erläuterung zu den Ursprüngen der Hundehaltung - in erster Linie war in früheren Zeiten der Nutzen des Hundes als Wach- und Jagdhund erwähnt, daraus resultieren auch ursprünglich die gezüchteten Rassen. Wenn wir in unserem Fall an den Schnauzer denken, der noch immer als Gebrauchshund geführt wird, muss man auch wieder einmal auf die Ursprünge zurückgehen. In früheren Zeiten war der Schnauzer vor allem ein Hofhund, der den Hof bewacht und von Ratten freigehalten hat, Bierkutschen begleitet hat und auch sehr oft im Polizeidienst und beim Zoll beschäftigt wurde, aber das ist ein anderes Thema, das wir in Zukunft noch behandeln werden. Ein rassetypisches "selbstbelohnendes" Verhalten entsteht einfach dadurch, dass ein gewünschtes Verhalten einer bestimmten Rasse durch die Zucht gefördert oder verstärkt wurde, andererseits versucht man, ungewünschte oder untypische Verhalten wegzuzüchten. Deshalb ist es ja auch so wichtig, dass der Mensch bestimmte Verhalten seines vierbeinigen Gefährten versteht und auch im Kontext sieht. Natürlich hat ein Jagdhund schon aufgrund seine Genetik einen bestimmten Jagdtrieb, der dann noch trainiert wird, ein Schnauzer ist ein oft selbständig denkender Geselle, der sich einbildet, dass er es manchmal besser weiß als sein Herrchen (und manchmal auch damit recht hat) und ein Berner Sennenhund verfügt über ein ausgeprägtes Territorialverhalten weil er früher vor allem seinen Hof verteidigen musste. Heutzutage hat er diese Aufgabe nicht und dann verteidigt er eben die Parkbank seines Herrchens. Treibhunde sind wendig, weil sie dem Vieh oft ausweichen müssen und zwicken gerne mal in die Beine, wenn es dann keine Kuh mehr gibt, muss gelegentlich das Herrchen oder andere Menschen daran glauben. Andere Hunde wurden speziell für den Schutzdienst selektiert und müssen in bestimmten Situationen aggressiv reagieren und auch beißen, das wird heute noch als Teil der IPO praktiziert. Dann gibt es auch noch die Gruppe der Molosser zu denen unter anderem die Boxer, Mastiff und Mastino Napoletano. Sie waren auch Wachhunde, wurden aber auch zum Kampf gegen Bären und Bullen  gehalten und verfügen über reichlich Masse und relativ kurze Köpfe und Schnauzen. Die Spitze dagegen, vor allem die nordischen wie Huskys und Malamute laufen für ihr Leben gern, sind eher reserviert und auch nicht besonders wachsam, deshalb wurden und werden sie gerne als Schlittenhunde eingesetzt. Andererseits gibt es auch die Jagdvariante der Spitze wie beispielsweise Laika oder Finnenspitz und die Hütehunde, unter anderem der schwedische Lapphund.
Auch in früheren Zeiten gab es die Schoß- und Salonhunde, beispielsweise Malteser oder Pekinese. Sie haben keinen ausgeprägten Bewegungsdrang, sind aber sehr anhänglich und leiden, wenn sie alleine sind.
Was diese ganze Aufzählung zeigen soll: wenn man sich für eine Rasse entscheidet, ist nicht nur die Größe und das Aussehen relevant sondern das Verstehen der rassetypischen Eigenschaften und das Ergründen ob sie kompatibel mit dem eigenen Lebensstil sind. Eine Couch Potato und ein Riesenschnauzer werden gegenseitig keine Freude aneinander haben, eine aktive Person oder Familie dagegen sehr. Auch bei den Schnauzern gibt es aktivere und weniger aktivere Exemplare - abgesehen vom Alter - aber grundsätzlich sollte man sich mit den Ursprüngen vertraut machen. Zusätzlich empfehlen wir, eine Hundeausstellung zu besuchen, wenn man einen Hund in die Familie eingliedern will, und noch nicht weiß, in welche Richtung man sich entscheidet. Hier hat man die Möglichkeit, mit vielen Hundebesitzern und -züchtern der verschiedensten Rassen zu reden. Ich bin sicher, jeder gibt Ihnen gerne Auskunft. Hat man die Wahl schon auf eine oder wenige Rassen beschränkt, kann man gerne auch mal eine Rassehundeausstellung besuchen, wo verschiedene Exemplare vorgestellt werden, oder eine spezifische Sportveranstaltung. Auch ein Anruf beim Züchter ist nicht verkehrt, auch wenn momentan keine Welpen angeboten werden. Wir bekommen des öfteren Anrufe von Interessenten, die wir an Kollegen weitervermitteln wenn wir keinen Wurf oder keine Welpen mehr haben und geben auch gerne Auskunft zur Rasse und wir denken, die meisten Züchter machen das genauso gerne wie wir. Es ist wichtig, dass man es sich genau überlegt wenn man einen Hund in die Familie aufnimmt und wir genießen die Möglichkeit einfach einmal mit Züchtern und Besitzern anderer Rassen zu reden, sei es auf einer Ausstellung, Sportveranstaltung oder im Verein. Ich hatte bei der Tagung auch dieses Mal wieder die Möglichkeit, interessante Rassen kennenzulernen, und mit anderen Züchtern zu reden, man lernt immer dazu und die Vorträge sind genauso wichtig wie der Austausch mit anderen Hundeliebhabern.
Zurück zum Vortrag:
Thema 1. Teil:
Wege zur Steigerung der Lern- und Sozialverträglichkeit der Welpen
Es ging dabei um erfolgreiches Lernen durch Verstehen und ein Einprägen in das Gedächtnis durch Wiederholungen.
Auch der Hund verfügt über verschiedene Arten des Gedächtnisses: das Kurzzeitgedächtnis, Langzeitgedächtnis, eidetisches Gedächtnis (fotografisches Gedächtnis). Emotionen wirken dabei positiv und negativ verstärkend.
So ein Vortrag ist leider relativ kurz für die Komplexität des Themas und es wurden vielfältige Hinweise auf weiterführende Literatur hinzugefügt. Deshalb möchte ich einfach auf verschiedene Quellen eingehen, die Herr Piturru im Laufe der ersten beiden Stunden erwähnt hat. Der Interessierte sollte einfach einmal die verschiedenen Links verfolgen um sich weiter über das Thema zu informieren.
Eine Person war beispielsweise Nelson Dellis, ein Gedächtnisathlet. Leider konnte ich jetzt nicht erkennen, ob sich Dellis auch mit dem Gedächtnistraining von Tieren beschäftigt hat, auf jeden Fall ist er regelmäßig international auf Gedächtniswettbewerben unterwegs und hat dort ein sehr hohes Niveau erreicht. Außerdem war er auch als Veterinärtechniker tätig. Aber vielleicht hilft es uns einfach, seine Erkenntnisse auf unser Hundetraining zu übertragen und besser zu verstehen wie es unserem Hund leichter fällt, sich gerne an etwas zu erinnern beziehungsweise zu vermeiden, dass etwas negativ in seinem Gedächtnis verankert bleibt.
Wie auch für das menschliche Hirn, ist auch für das Hundehirn eine synaptische Plastizität sehr wichtig, das Langzeitgedächtnis wird verstärkt durch die Faktoren - lernen, konsolidieren, erinnern und vergessen.
Der Hund ist außerdem ein Makrosmatiker= Nasentier, deshalb ist er und, was den Geruchssinn betrifft, meilenweit überlegen. Als wir einmal über das Mantrailing berichteten, wurde das ja bereits erwähnt. Die olfaktorische Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil und kann sehr zum Vorteil genutzt werden (beispielsweise Therapiehunde die einen Zuckerschock erkennen, bevor es der Diabetiker selbst merkt), aber auch manchmal zum Nachteil wenn sich die Nervosität und Prüfungsangst des Besitzers auf den Hund überträgt und er das was er vor der Prüfungssituation ganz im Sinne seines Teampartners absolvierte plötzlich gar nicht mehr machen möchte. Das haben wir selbst bei der BH-Prüfung erlebt, während wir beim Turnierhundsport super zusammen arbeiten konnten, einfach weil ich dann auch entspannt war und es uns beiden Spaß gemacht hat.
Ein anderer wichtiger Forscher der erwähnt wurde ist Thorndike, der Begründer der instrumentellen Konditionierung und Skinner, der sich mit der Operanten Konditionierung beschäftigte.
Dazu wurde uns dieses nette Beispiel präsentiert:


Skinner und Watson beschäftigten sich auch mit dem Behaviorismus, der von positiver und negativer Verstärkung handelt.
Der Name Pawlow wird den meisten wohl ein Begriff sein, denke ich, ebenso wie der "Pawlowsche Hund", wenn nicht, folgen Sie diesem Link.
Immer wieder kommen wir auf das Wort "Konditionierung" zurück. Bei Hunden kann bis jetzt eine Konditionierung bis zur 3. Ordnung nachgewiesen werden. Das bedeutet, es ist leider nicht so einfach, wie man sich das vorstellt, sei es im gewollten als auch im ungewollten Fall. Gerade bei Hunden, die schon mehrere Besitzer hatten und deren Vorgeschichte man nur bedingt kennt, ist es schwierig diese komplexe Situation nachzuvollziehen. Wenn man einen Hund als Welpen bekommt, kann man sich noch mit den Züchtern kurzschließen, wenn man Fragen hat, bei Hunden mit einer langen und vielfältigen Vergangenheit ist das leider nicht immer möglich. Ein relativ einfacher Fall war einer unserer Spaziergang mit einem kleinen Hunderudel. Plötzlich war der eine der Hunde längere Zeit abgängig obwohl er in der Regel gerne mal größere Kreise zieht aber immer innerhalb kürzester Zeit zurück kommt. Es war zwar im Wald aber so ein großer Jäger war sie auch nicht. Wir sind dann einige hundert Meter zurück gelaufen und dann kam sie uns schon ganz verzweifelt entgegen. Sie selbst war froh, dass sie uns wieder sah und blieb dann erst einmal eine Zeitlang in unmittelbarer Nähe. Was war der Grund? Wir haben eine Strecke zurückgelegt bei der sie gemeinsam mit ihrem Frauchen normalerweise an einer bestimmten Kreuzung links abbiegt. Tatsächlich hatte die mir gesagt, dass sie normalerweise eine andere Strecke laufen. Der Hund hatte also vermutet, dass wir den gewohnten Weg verfolgen und war dann selbst überrascht, dass er uns nicht sofort wieder einholte. Da sie von klein auf beim Besitzer ist und diese sie kennt, konnten wir ziemlich schnell nachvollziehen wie diese Situation zustande kam.
Verstärkung bedeutet, dass der Hund an den Folgen seines Verhaltens lernt (siehe Video)
Nun noch zu den Begriffen positive/negative Belohnung beziehungsweise positive/negative Strafe,
diese sollten nicht emotional sondern rein mathematisch betrachtet werden.
Folgende 4 Fälle sind möglich:
Positive Belohnung: Es wird etwas Angenehmes hinzugefügt, Emotion: Freude
Beispiel: Hund macht Sitz und bekommt ein Leckerli, Hund lässt sich abrufen und darf dann mit dem Ball spielen
Negative Belohnung: Etwas Unangenehmes wird weggenommen; Emotion: Erleichterung
dafür muss man den Hund aber erst in eine unangenehme Lage bringen, das kann das Herunterdrücken des Hundes sein, damit er Sitz oder Platz macht, wenn man die Hand dann wieder entfernt, ist es eine Erleichterung oder der Hund spürt, dass sie es überhaupt nicht gut finden, wenn er sich beim Essen dem Esstisch nähert. sobald er wieder auf seinen Platz geht, ist die Stimmung entspannt und er fühlt sich erleichtert
Positive Strafe: Etwas Unangenehmes wird hinzugefügt; Emotion: Angst, Unsicherheit, Schmerz
Die positive Strafe ist sehr umstritten und komplex, wichtig ist vor allem, dass sie unmittelbar erfolgt, damit der Hund sie noch mit der entsprechenden Situation verbinden kann, außerdem muss sie stark genug sein, dass sie nicht ständig wiederholt werden muss, sie sollte auch nicht mit anderen Situationen oder Personen in Verbindung gebracht werden. Mir fallen dazu zwei Situationen ein. Wir hatten einmal einen Hund, der grundsätzlich pöbelte, wenn wir mit dem Auto anhielten um kurz mit jemandem zu sprechen, beispielsweise nach dem Weg zu fragen. Er bellte dann so laut dass wir unseres eigenes Wort nicht verstanden, grundsätzlich war er aber ein wirklich verträglicher Geselle und bellte nicht einfach fremde Menschen an. Als wieder einmal diese Situation aufkam, bekam er kurz eine Ansage indem man das Heck aufriss und ihm klarmachte, dass das so nicht geht. Seither hat er das nicht wieder gemacht. Vielleicht war er der Meinung, dass er unser Auto verteidigen musste und ich habe auch kein Problem damit, dass er bellt wenn sich ein Fremder dem Auto nähert, das machte er dann weiterhin. Andererseits kannten wir einen Hundebesitzer, der seinen Hund eine halbe Stunde lang anleinte und ihm jeden Sozialkontakt verbot weil er etwas Unerwünschtes getan hatte, ich habe meine Zweifel ob der Hund das ihn diesem Fall wirklich verstanden hat.
Negative Strafe: Etwas Angenehmes wird weggenommen; Emotion: Enttäuschung, Frustration
Wer kennt das nicht: Man kommt nach Hause, der Hund freut sich und springt an einem hoch, an sich eine sympathische Situation aber nicht immer gewollt und noch unangenehmer, wenn er das bei anderen Menschen macht. Der Tip ist eigentlich immer der, dass man sich umdrehen und den Hund nicht beachten soll. Ganz ehrlich: Bei unseren Hunden hat das noch nie geklappt, ich mache es immer so, dass ich die Situation umlenke und ihn ganz schnell beschäftige, mit einem Spielzeug oder wenn gerade keines zur Hand ist, ein paar Übungen um den Hund abzulenken und ihn dann loben zu können. Sollte jemand einen besseren Tip haben, würde ich mich freuen. Auf jeden Fall ergibt sich so keine Frustration auf beiden Seiten.
Im zweiten Teil erzählte Herr Piturru und über ängstliches Verhalten, ihre Bekämpfung und den Einsatz von Pheromonen.
Die typischen Reaktionen sind dann die 4 Fs: Flight (Flucht), Freeze (Erstarren), FidgetFlirt (Übersprungshandlungen), Fight (Kämpfen) - als aufmerksamer Hundebesitzer merkt man also schon, wenn der eigene Hund sich unwohl fühlt und dies anzeigt.
Ich muss sagen, mit ängstlichem Verhalten bei Hunden hatten wir selbst nie zu tun, unsere Hunde waren bis jetzt immer sehr selbstbewusst, dabei waren vier aus zweiter oder dritter Hand, aber ich habe oft Kontakt zu Leuten, die Hunde aus dem Tierheim haben und es ist eine sehr schwierige Aufgabe, die meinen ganzen Respekt hat. Wie ich bereits oben geschrieben habe, kann eine Konditionierung bis zur 3. Ordnung nachgewiesen werden und oft ist nicht nur ein einzelner bekannter Faktor für Angstverhalten verantwortlich. Die Hunde, die wir bereits als Welpen hatten, hatten beispielsweise nie Probleme mit Schüssen oder Silvesterkrachern, sie haben einfach nichts Negatives damit verbunden, auch von unserer Seite wurden sie emotional nicht negativ dahingehend beeinflusst. Wenn der 1. Silvester kam, haben wir sie mit herausgenommen, haben ihnen gezeigt, dass das nichts Schlimmes ist und es war ihnen eigentlich egal ob sie drinnen oder draußen waren, Hauptsache gemeinsam mit uns. Jedes Jahr ist die Silvesterdebatte ganz groß in den sozialen Medien (oder vorher einfach in analogen Gesprächen) präsent, tatsächlich habe ich erst über Internet erfahren, dass manche Hunde dann Psychopharmaka oder Ähnliches bekommen, um die Silvesternacht unbeschadet zu überstehen. Auf diese Idee wäre ich von alleine wirklich nicht gekommen. Auch Eierlikör schein ein probates Mittel zu sein wobei ich immer noch dafür plädiere dass den lieber die Besitzer trinken sollten. Wir hatten eine Hündin, die wir mit drei Jahren zu uns genommen hatten und grundsätzlich überhaupt nicht ängstlich war, aber am Nachmittagsspaziergang vor Silvester ging sie quasi auf Tuchfühlung mit uns, was sonst eigentlich nicht der Fall war. Auch in diesem Fall ließen wir sie an Silvester in Ruhe, zwangen sie nicht, hinauszugehen, aber machten auch nicht allzu viel Aufhebens um die Situation. Inzwischen habe ich auch den Eindruck, dass es mit der Böllerei nicht ganz so schlimm ist wie vor einigen Jahren. Ich glaube einfach, dass Silvester und das Verhalten von Mensch und Hund sehe emotional geprägt ist und wenn der Mensch sich in die Situation herein steigert, macht das auch der Hund, der das instinktiv spürt.
Abgesehen davon gibt es natürlich noch andere Situationen, in denen der Hund negative Erfahrungen gemacht hat und Dr. Piturru hat uns von einem Hund erzählt, der Angst hatte, ein bestimmtes Geschäft zu betreten weil er wohl irgendwann schlechte Erfahrungen gemacht hat und diese mit dem Betreten verbunden hat. Nun galt es, diese Konditionierung durch eine positive Konditionierung auszuschalten. Dies kann durch Pheromone geschehen. Der Grundgedanke ist, dass das Muttertier bestimmte Pheromone verströmt, die dem Welpen Geborgenheit und Selbstvertrauen geben, und die werden da auch eingesetzt.
Da ich das Thema ganz interessant fand, habe ich weiter im Internet gegoogelt und beispielsweise diese Beitrag von Moe and Me gefunden.
Zum 3. Teil: Frau Dr. Diana Henke ist Tierneurologin und Oberärztin an der Hasenbergklinik Stuttgart.
Ihr erstes Thema:
Brain on Fire - Hirnhautentzündungen beim Hund
Entzündliche Erkrankungen des Gehirns können verschiedene Ursachen haben:
1. Infektiös durch Viren, Protozoen (tierische Einzeller), Bakterien oder Pilze
2. Idiopathisch (ohne bekannte Ursache)
Idiopathische, entzündliche "rassespezifische" Entzündungen des Gehirns beim Hund:
1. Granulomatöse Meningoencephalitis (GME)
2. Nekrotisierende Meningoencephalitis (NME) - Mops Encephalitis
3. Nekrotisierende Leukoencephalitis (NLE) - Yorkshire Terrier Encephalitis
4. Non conforming Encephalitis (NCE) - Mops und Yorkhire Terrier
zum Abschluss das 4. Thema dieses Tagungstages:
Epilepsie beim Hund - Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten
Folgende Anfallsarten sind möglich:
Lokal - es sind einzelne Stellen des Körpers betroffen
Anzeichen: Fliegen schnappen, Ohren zucken, Lefzen zucken, Wand anstarren
Generalisiert - das gesamte Gehirn ist betroffen:
Anzeiche: Krämpfe, Harn- und Kotabsatz, Bewusstlosigkeit

Anfallsarten:
Selbst limitierend - der Anfall hört nach wenigen Minuten auf
Status epilepticus - anhaltend und länger als 30 Minuten - NOTFALL!
Cluster - zwei oder mehr Anfälle innerhalb von 24 Stunden - NOTFALL!
Die Stadien eines Anfalls:
Der Anfall beginnt mit dem Prodromalstadium (Stadium in dem uncharakteristische Vorzeichen oder Frühsymptome auftreten), es findet beispielsweise ein verändertes Verhalten statt.
Dann kommt die "Aura", sie kann Minuten oder Stunden dauern, mögliche Anzeichen: bellen, lecken, speicheln
Der eigentliche Anfall (Ictus) - ein unkontrollierter Muskeltonus oder Bewegungen finden statt - Dauer: Sekunden bis Minuten
Erholungsphase (post Ictus) - stellt sich eventuell mit verändertem Verhalten oder Blindheit dar (Dauer Minuten-Tage)
Die Ursachen dafür können vielfältig sein:
Reaktiv:
als Folge metabolisch/toxischer Erkrankungen
- Leberfunktion (hoher Ammoniakspiegel)
- niedriger Blutzuckerspiegel
- Elektrolythaushalt (Na, Ca, P)
Symptomatisch:
- Folge struktureller Gehirnveränderungen
- Entzündungen
- Tumore
- Missbildungen
Idiopathisch:
Es wurde keine reaktive oder symptomatische Ursache gefunden
- findet oft bei Hunden zwischen 1 und 5 Jahren statt
- eine neurologische Untersuchung zeigt ein normales Ergebnis

Wahrscheinlich symptomatisch_
- es wurde keine reaktive oder symptomatische Ursache gefunden
- kommt bei alten Hunden vor
- die neurologische Untersuchung zeigt ein abnormales Ergebnis
Erforderliche Untersuchungen bei Anfallbeginn unter einem Jahr:
Leber, Leberfunktionstest
Ultraschall
Harnuntersuchung
MRT und Liquor empfohlen
Eventuell spezifische Untersuchungen erforderlich
Erforderliche Untersuchungen bei Anfallbeginn zwischen 1 und 5 Jahren:
Laboruntersuchungen, ggf. Leberfunktionstest
MRT und Liquor anbieten
Therapie
Anfallbeginn älter als 5 Jahre oder unter 5 Jahre und abnormales Ergebnis bei der Untersuchung:
Labor fT4, cTSH
Röntgen Thorax, Ultraschall
MRT und Liquor empfohlen
Beispiel Orpheus:
Neurologische Untersuchung:
Anfälle (zuhause)
Passgang
ansonsten unauffällig
Neurolokalisation:
Großhirn
Differentialdiagnosen:
Idiopathisch
neoplastisch
metabolisch/toxisch
entzündlich

Labor: Blutbild/Blutchemie
Ammoniakspiegel
Gallensäurestimulationstest
Röntgenthorax
MRT
Liquorpunktion
alles resultiert als normal,  Verdachtsdiagnose idiomatische Epilepsie

Ideopathische Epilepsie:
- Jeder Hund kann betroffen sein
- Der erste Anfall findet normalerweise zwischen 1 und 5 Jahren statt
- Die neurologische Untersuchung resultiert als normal
- Mehrere Hunderassen sind häufiger betroffen (Familiäre Epilepsie - vermutliche Erbgänge sind bei einigen Rassen beschrieben) - Lagotto Romagnolo, Deutscher Schäferhund, Dackel, Irischer Wolfshund, Berner Sennenhund, Beagle, Tervueren, Magyar Viszla, Spitz, Golden und Labrador Retriever, Bobtail. Englischer Springer Spaniel, Pudel, Border Collie
- Es gibt bisher keine Gentests außer bei juveniler Epilepsie beim Lagotto Romagnolo

Therapie:
Phenobarbital 2,5 mg pro/ kg BID
Kaliumbromid 20 mg pro/kg BID
Imepitoin 20 mg pro/kg BID
Gabapentin 10 mg pro/kg BID
Levetiracetam10-20 mg pro/kg BID

Probleme bei Antiepileptika:
Diazepam:
Wird nicht als dauerhaftes orales Medikament beim Hund empfohlen
Nicht effektiv genug
Kurze T1/2
Induziert Leberenzyme
Physische Abhängigkeit
Toleranzentwicklung

Phenobarbital
Polyphagie, physische Abhängigkeit, Entwickeln ev. funktioneller Intoleranz, hepatotoxisch(ALT, AP, GGT induziert, aber AST, BS, Bili, Sono nutzbar) TSH erhöht, TT4, IT4 erniedrigt,
Nebenwirkungen meist nur in Kombination mit Phenobarbital
PD/PU, Polyphagie
Ausfällung bei Aufnahme von NaCl (Meerwasser)
Bei zu hohem Spiegel: Ataxie, Parese (Lähmung), Pankreas (Bauchspeicheldrüse)
Wirkspiegel erst nach 3 Monaten


Am Beispiel Orpheus:
Therapiebeginn mit Phenobarbital
Nebenwirkungen:
vermehrter Appetit
Leberenzymerhöhung
Erste zwei-drei Wochen Müdigkeit
Kalender führen!!
Notfall: Status Epileptikus
Diazepam rektal, sofort zum Tierarzt!


Epilepsie ist natürlich ein sehr komplexes Thema und wie man aus den oben zusammen getragenen Stichpunkten erkennen kann, müssen bei Verdacht auf Epilepsie erst einmal diverse andere Krankheiten durch verschiedenste Untersuchungen ausgeschlossen werden. Auf jeden Fall hat Frau Dr. Henke uns erst einmal einen ersten Einblick gewährt und viele der Begriffe musste ich auch erst einmal im Internet nachsehen, deshalb hat sich der Beitrag auch ein bisschen verzögert. Es gibt auf jeden Fall noch Einiges zu lernen und falls jemand den Verdacht haben sollte, dass sein Hund unter Epilepsie leiden könnte, haben wir die Spezialistin ganz in unserer Nähe in der Hasenbergklinik.







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